UGG: Wie ein australischer Surferschuh zum ikonischsten Boot der Welt wurde

Es gibt Schuhe, die man falsch verstanden hat. Jahrelang, kollektiv, ohne dass jemand groß nachgefragt hätte. Der UGG gehört dazu. In Deutschland ist er als Winterschuh abgestempelt, warm, kuschelig, für graue Tage und dicke Socken. Dabei kommt er aus Australien. Nicht aus den Bergen, nicht aus dem Schnee. Sondern vom Strand.

Die Geschichte beginnt eigentlich schon lange vor dem weltweiten Hype. In den 1960er Jahren nutzten australische Schafzüchter das Material für einfache Fußwärmer, doch die wahre Geburtsstunde schlug in den Siebzigern in Venice Beach. Der junge australische Surfer Brian Smith brachte eine Tasche voll Schafsfell-Boots nach Kalifornien. Seine Zielgruppe: Gleichgesinnte, die nach Stunden im kalten Pazifik mit tauben, nassen Füßen aus dem Wasser stiegen. Sie brauchten etwas, das Feuchtigkeit sofort aufsaugt und die Körpertemperatur im Handumdrehen wiederherstellt.

Der Name UGG selbst ist dabei kein glanzvoller Marketingbegriff, sondern tief im australischen Slang verwurzelt – eine Abkürzung für „ugly“ (hässlich). In Australien war „Ugg Boot“ lange Zeit ein Gattungsbegriff für diese klobigen Treter, die man eher als praktisches Werkzeug denn als Modeaccessoire sah. Doch genau diese Unangepasstheit und die Verbindung zur entspannten Surfkultur machten sie in den USA zum Underdog-Symbol, das schließlich den Sprung vom Sandstrand auf die Laufstege der Welt schaffte.

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Warum er im Sommer mehr Sinn macht als man denkt

Dass wir den UGG heute primär im Schnee sehen, ist eigentlich ein physikalisches Missverständnis. Double-Face-Lammfell ist eine High-Tech-Faser der Natur. Es wirkt wie eine natürliche Klimaanlage: Die Fasern lassen die Luft zirkulieren und halten die Füße bei Außentemperaturen von bis zu 27°C angenehm kühl. Während synthetische Schuhe im Sommer oft zum „Treibhaus“ für den Fuß werden, nimmt das Schafsfell Feuchtigkeit auf und leitet sie nach außen ab, ohne dass der Schuh sich feucht anfühlt.

Man trägt UGGs im Sommer idealerweise barfuß. Nur so kann das Material seine volle Wirkung entfalten und die Haut atmen lassen. Es ist dieses spezifische Tragegefühl – weich, trocken und temperaturausgleichend –, das den Schuh zum perfekten Begleiter für kühle Sommerabende oder lange Strandtage macht, wenn die Sonne untergeht und die Brise auffrischt.

Dazu kommt der ästhetische Bruch. Der UGG ist weich, rund und ohne harte Kanten. Er bricht die Eleganz von sommerlichen Outfits auf eine charmante, fast nachlässige Art.

Was den UGG im Styling so interessant macht, ist sein Widerspruch. Er sieht aus, als würde er sich nicht bemühen – ein Look, der im Modejargon als „Effortless Chic“ gefeiert wird. Kombiniert mit einem schlichten Sommerkleid in Weiß oder Naturfarben entsteht ein Outfit, das aussieht, als wäre es zufällig entstanden und gerade deshalb so modern wirkt.

Wer den UGG noch rein als Winterschuh denkt, hat seine Geschichte nicht gehört. Und wer sie kennt, weiß: Der Schuh gehört in den Sand, zur salzigen Meeresluft und zur Leichtigkeit des Sommers. Wer ihn im Juli trägt, ist nicht etwa jahreszeitlich verwirrt, sondern kehrt eigentlich nur zu den Wurzeln des Boots zurück.

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